Wagen und Winnen

Wagen und Winnen

Den Sitz der Handelskammer Bremen, den altehrwürdigen Schütting, ziert über seinem Hauptportal der Wahlspruch der Bremer Kaufleute:
Buten un binnen
Wagen un winnen.
Aus dem Plattdeutschen übersetzt heißt das: außen und innen, wagen und gewinnen. Das Motto weist einerseits auf den Unternehmergeist der Bremer Kaufleute hin. 

Warum Bremen?

Andererseits liegt in dem Spruch auch ein Hinweis auf die geografische Lage der Stadt. Bremen kommt von dem althochdeutschen Wort bremo, das Rand bedeutet. Die Stadt liegt am Ufer (also am Rand) der Weser, jenes Flusses, der binnen, das Landesinnere, mit buten, der Nordsee, verbindet.Die geografische Verortung des Namens Bremen wird in dem durch buten un binnen, wagen un winnen postulierten Selbstbewusstsein verstärkt. Denn Bremen, der Rand, liegt tatsächlich zwischen innen und außen, zwischen Land und Wasser.

Folgen wir dem Lauf der Weser nun Richtung Bremerhaven ans Meer, sind wir buten, also außen, angekommen.
Doch die Nordsee macht die Entscheidung nicht so einfach, was genau buten und was binnen sein soll: Die Gezeiten verschieben die Grenze zwischen fest und flüssig, sicher und unsicher, hart und weich, täglich von außen nach innen und wieder zurück.

Wegen Wattenmeer?

Das Wattenmeer bleibt nie gleich, alles ändert sich. Es ist gefährlich, unvorhersehbar, unstet, aber auch fruchtbarer Rastplatz und Nahrungsquelle für unzählige Tiere. Weder buten noch binnen, sondern etwas anderes. Ein dritter Raum, in dem Meer und Land immer wieder neu von Ebbe und Flut ausgehandelt werden.
Zurück in Bremen, die Weser wieder flussaufwärts gereist, bekommt die Bedeutung von buten und binnen noch eine weitere Dimension: Buten und binnen heißt nicht buten oder binnen. Es gibt Zustände in denen buten und binnen, innen und außen, gleichzeitig stattfinden können und einen dritten Raum erschaffen.

Wer baut Bhabha einen 3. Raum?

Vielleicht meint der Literaturwissenschaftler und Kulturtheoretiker Homi K. Bhabha etwas ähnliches wie unser gedachtes Wattenmeer, wenn er, bezogen auf einen interkulturellen Kontext, einen dritten Raum konzipiert, in dem kulturelle Differenzen neu verhandelt und übersetzt werden. Bei der Lektüre seines Buches ‘Die Verortung der Kultur’ fällt auf, dass Bhabha häufig den Begriff ‘inkommensurabel’ wählt. Inkommensurabel bedeutet laut Duden „nicht messbar, nicht vergleichbar, unwägbar“.

„Die nichtsynchrone Zeitlichkeit globaler und nationaler Kulturen eröffnet einen kulturellen Raum – einen dritten Raum – in dem die Verhandlung inkommensurabler Differenzen eine Spannkraft schafft, wie sie für Existenz(weis)en an der Grenze typisch ist.“ (In: Die Verortung der Kultur)

Diesem Satz wohnt eine dialektische Kraft inne, die ebenso fruchtbar ist wie der in ihm beschriebene Dritte Raum, unser Wattenmeer. Denn nur dort, wo sich Gegensätze und Differenzen treffen, können nicht messbare Unterschiede verhandelt werden. Verhandeln heißt abwägen, abwägen heißt abwiegen, abwiegen heißt messen. Im Dritten Raum messen wir das Unmessbare, vergleichen wir Unvergleichliches, wiegen wir Unwägbares.
Fasst man Design als Denkdisziplin auf und beschreibt diese als Konkretisierung von Abstraktem und Abstraktion des Konkreten, kann Bhabhas abstrakter Dritter Raum zum konkreten Denk- und Spielraum werden.

Wo lässt sich mehr erleben?

Und dieser Raum befindet sich in Bremen, genau genommen in der Gustav-Adolf-Straße 11. Das ist die Adresse von weserholz. Hier treffen sich Menschen, die selten eine gemeinsame Muttersprache haben. Lebenskonzepte und Realitäten treffen aufeinander. Ob die Differenzen jetzt inkommensurabel sind oder nicht ist uns egal, denn in der Werkstatt haben alle einen Zollstock stecken. Und dort ist der Stuhl >>bintou entstanden, benannt nach seiner Erfinderin. Er misst 45 x 45 x 90 cm und wiegt 12 kg. Herr Bhabha, falls sie noch ein Möbel für Ihren Dritten Raum benötigen, bei weserholz können sie es bekommen.

Beitrag von >>Anselm

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