Aus der Vielfalt lernen

Aus der Vielfalt lernen

Fast alle unsere Trainees bewegen sich sicher zwischen zwei oder mehr Sprachen, die sie erworben, aber nicht unbedingt gelernt haben. In ihrer Heimat ist Mehrsprachigkeit alltäglich, zur Schule gehen zu können allerdings nicht. Meistens wurden also die Sprachen durch Hören und Nutzen angeeignet, oftmals auch einfach aufgeschnappt. Dies vor allem auf ihrer oft langen Reise nach Deutschland, die sie durch verschiedene Länder führte.

Manche Trainees sind, wenn sie zu weserholz kommen, schon im „System“ gewesen. Und haben eine Art Schule, Sprachkurs und ähnliches durchlaufen, um Deutsch zu lernen. Andere hingegen haben eher nebenbei, „auf der Straße“ und mit Freunden gelernt. Eine reelle Perspektive hatten sie vor weserholz deshalb trotzdem nicht immer. Denn ihre Kenntnisse und Interessen wurden noch nicht soweit vertieft (und aufgedeckt), dass sie den Schritt in eine Einstiegsqualifizierung (EQ) oder Ausbildung hätten schaffen können.

Mit diesem Potpourri an Sprachen und Erfahrungen beginnen wir unseren gemeinsamen Unterricht und ich versuche aus dieser Heterogenität zu schöpfen und sie für die Gruppe nutzbar zu machen. Dies geschieht zu Beginn vor allem durch das Abfragen und Austauschen von Sprachen. Mit dem letzten Jahrgang haben wir mit allen vorhandenen Sprachen ein Plakat erstellt und hatten im Ergebnis ‚Guten Tag!‘ in 16 Sprachen angeschrieben! Das ist für die Trainees, die teilweise in der Heimat eine Muttersprache verleugnen mussten oder diese nicht sprechen durften, sehr beeindruckend und stärkend und regt zu Austausch und Kommunikation an. Im weiteren Verlauf und vor allem mit wachsendem Vertrauen in die Gruppe (und mich als Dozentin), werden die Mutter- oder Wohlfühlsprachen immer wieder in den Unterricht eingebunden. Hintergründe zu Sprachverwandtschaften und Internationalismen bereite ich für die Trainees in kurzen Einheiten auf, um diese mit ihnen in passenden Momenten zu bearbeiten und stoße damit auf großes Interesse und erlebe rege Mitarbeit.

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Zudem bewirkt die Wertschätzung aller Sprachen im Team, dass die Trainees gerne die Möglichkeit nutzen im Rahmen der Bunten Stunde* selbst eine Sprache zu unterrichten. So kommt es, dass ich auf Wolof fragen kann: ‚Nanga def – Wie geht es dir?‘ oder auf Fula sagen kann: ‚lamfalama – Ich liebe dich!‘, weil Bintou uns mit viel Geduld ihre Sprache näher gebracht hat!

Auch Wortspiele fördern die Kreativität und das Sprachverständnis und haben bei Ruslan zu so wundervollen Gedichten und Gedanken geführt, die sich ebenfalls >>hier auf unserem Blog finden lassen!

Unterricht bei weserholz bedeutet, dass ALLE lernen!

* Bunte Stunde: Raum zur Einbindung der Trainees, mit dem wir ihnen alle 2 Wochen die Möglichkeit bieten etwas zu unterrichten, zu vermitteln oder zu erzählen. Dies kann eine Sprache, ein Hobby oder ein bestimmtes Wissen sein… Es geht vor allem darum, dass sie zu einem selbst gewählten Thema dem Team etwas beibringen und sich auf diese Weise selbst in der Rolle „des Experten/der Expertin“ sehen.

Beitrag von >>Natascha Bogic

Zusammen machen

Wir haben ein eigenes Curriculum entwickelt, das die individuellen Fähigkeiten unserer Trainees berücksichtigt und unseren ganzheitlichen Lernansatz wiederspiegelt. Wie wir Zusammenlernen und -arbeiten

>>beschreiben wir hier!

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