Kreativität hat ihren Preis – doch gute Arbeit ist mehr als fairer Lohn * weserholz auf dem Podium Teil 3

Kreativität hat ihren Preis – doch gute Arbeit ist mehr als fairer Lohn * weserholz auf dem Podium Teil 3

Im ersten und zweiten Blogbeitrag in der Reihe ‚weserholz auf dem Podium‘ ging es um die >>Produktive Stadt sowie ein >>Neues Mindset, um innovative Unternehmungen zu fördern – eine Kultur des Ermöglichens.

Für uns, die wir im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig sind, fehlt in dieser Reihe ein weiterer Aspekt, wenn es um die Zukunft Bremens als Wirtschaftsstandort geht. Daher geht es in unserem heutigen Beitrag um faire Bezahlung für kreative Leistungen und die Vermehrung von Zebras in dieser Welt.

Auf zwei Podiumsveranstaltungen – den Hochschultagen der Hoschschule für Künste Bremen (HfK) sowie der Veranstaltung zur Produktiven Stadt der Arbeitnehmerkammer Bremen – ging es um die (finanzielle) Anerkennung kreativer Leistungen, selbstausbeuterische Arbeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen.

In der Ankündigung der Veranstaltung ‚Tach auch‘ der HfK hieß es: „Die Stadt hat das Potential eine größere Kunst und Designszene zu etablieren und zu halten, doch Gespräche und Befragungen mit Studierenden zeigen, das charmante Lösungen und Angebote hermüssen, um Kreative zum Kommen und Bleiben zu bewegen.“

Die Podiumsgäste1 waren sich einig, dass Bremen ein interessanter Standort mit einigen Vorteilen ist, wenn es darum geht als Kunst- und Kulturschaffender hier Fuß zu fassen:

  • eine gut vernetzte Szene
  • schnelle, kurze Wege zu Politik, Verwaltung & Kulturinstitutionen etc.
  • Platz: sowohl im städtischen Raum als auch in Bezug auf Immobilien
  • (noch) bezahlbare Mieten

Kreativität ist kein nettes gimmick

Doch war man sich ebenso einig, dass Dinge fehlen und Bremen mehr bieten könnte. Was ist mehr?
Eines ist sicherlich der Spirit der Stadt, wovon wir in unserem vorherigen Blogbeitrag – eine Kultur des Ermöglichens und dem Blick nach Wien – bereits sprachen.
Eine weitere Maßnahme wäre es, ein Plädoyer bei der Diskussion, wenn sich auch das Bremer Stadtmarketing – deren Lockmittel bisher hauptsächlich die Bremer Stadtmusikanten und der SV Werder Bremen waren – davon etwas annehmen würde und beispielsweise Orte wie die Komplette Palette (Hemelingen), die vielseitigen Projekte von Kalles-Co Werkstatt (Neustadt/Huckelriede) oder die Pusdorf Studios als Filmproduktionsstätte und Konzerthalle (Woltmershausen) zum Inhalt ihrer Marketingstrategie eines lebendigen und kreativen Bremens machen würde. Kreativschaffenden werden ohnehin häufig durch die Zwischennutzung von Immobilien zu günstigen Preisen angelockt, um mit ihren Ateliers und der kreativen Aura der Aufwertung des Stadtteils dienen. Am Ende, wir kennen das Spiel, können sie sich dort die Mieten dann selbst nicht mehr leisten. Wenn Kreative schon dazu dienen, Stadtteile aufzuwerten, sollte man sie einen Stück vom Kuchen abhaben lassen – jedoch nicht nur über die Marketingstrategie!

Als die Position von den anwesenden Kreativschaffenden in der Runde vorgetragen wurde, kam von politischer Seite Gegenwind auf: Kreative sollten nicht immer nur fordern, sondern mit dem arbeiten, was es gibt und nicht auf Hilfe von Stadt und Staat warten. Ich glaube, das ist es, was die meisten von uns tun, mit dem arbeiten, was es gibt: Kreativschaffende arbeiten häufig zu unterirdischen Bedingungen und allem voran selbstausbeuterisch! Wer für die eigene Sache arbeitet, kennt das.

Doch ist es eins, wenn man getrieben durch die eigene Sache Dinge in Kauf nimmt. Es ist aber etwas anderes, wenn von außen Kreative ‚benutzt‘ werden, ohne sie für ihre kreative Leistung zu entlohnen. Das kann auch nicht die vergünstigte Miete sein. Es geht um finanzielle Anerkennung der Leistung. Für uns als kreativ Arbeitende ist es genau das – unsere Kreativität, das Querdenken und innovative Lösungen finden – unser Kapital. Man wird in entwicklungsbedürftige Stadtteile gelockt oder als ‚Andersdenkende*r‘ eingeladen, um in Gesprächsrunden, Arbeitsgruppen oder auf Podien für Input zu sorgen. Aber wie häufig wird man dafür entlohnt?

Es geht also nicht um die bedingungslose Förderung durch den Staat oder darum nicht auch einmal ohne Bezahlung auf dem Podium zu stehen. Aber es ist an der Zeit, dass unsere Gesellschaft, Politik und Wirtschaft Kreativität als Wert anerkennen und Leistungen entsprechend entlohnen. Während es bei der Diskussion vor allem um Dienstleistungen ging, möchten wir das Spektrum um materielle (Design-)Produkte erweitern. Nachhaltige Gestaltung (Materialauswahl, Zeitlosigkeit, Nutzungsdauer etc.) und nachhaltige Produktion (on damnd, regional etc.) hat ihren Preis.

ZEBRAS EROBERN DIE WELT UND LASSEN EINHÖRNER LINKS LIEGEN – SOCIAL ENTREPRENEURSHIP AUF DEM VORMARSCH?

Faire Löhne spielten auch bei der Diskussion der Arbeitnehmerkammer, an der u.a. die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa teilnahm, eine Rolle. Seitens der Kammer wurde gefordert, dass es bei der Gewerbeentwicklung Bremens nicht nur um die Gewinnung neuer Quartiere der urbanen Produktion gehen dürfe und somit häufig Start-Ups, die in prekären Arbeitsverhältnissen stecken, sondern auch um die Ansiedlung von Unternehmen der Guten Arbeit als solche, die sozialversicherungspflichtige Stellen schaffen.

Dem würden wir zustimmen. Doch braucht es unserer Ansicht nach noch mehr – mehr Zebras, um Bremen attraktiv zu machen und die Welt ein Stück gerechter. Gute Arbeit ist nicht nur fairer Lohn!

Zebras sind Start Ups, die gemeinnützig und trotzdem profitorientiert agieren. Sie sind Dienstleister für die Gesellschaft.

Einhörner sind Tech-Start Ups, deren Marktbewertung vor dem Börsengang über 1 Millionen US-Dollar liegt.

Was haben Zebras mit uns zu tun? Gute Arbeit ist für uns sozial nachhaltig, ökonomisch nachhaltig und ökologisch nachhaltig. Wenn Ihr mehr über die Theorie von Zebras erfahren wollt, lest folgenden Artikel auf Good Jobs:
www.goodjobs.eu/de/articles/warum-wir-zebras-brauchen-um-die-krise-zu-meistern

Das primäre Ziel von Social Entrepeneurship ist die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Dies wird durch kontinuierliche Nutzung unternehmerischer Mittel erreicht und resultiert in neuen und innovativen Lösungen. Durch steuernde kontrollierende Mechanismen wird sichergestellt, dass die gesellschaftlichen Ziele intern und extern gelebt werden.“ (SEND e.V.)

Auch wenn wir vielleicht noch kein ausgewachsenes Zebra sind, da beispielsweise unser Vertireb noch im Aufbau steckt, so verstehen wir uns als Dienstleister für die Gesellschaft. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, uns mit weserholz für qualitative Bildung und einen gleichberechtigter Teilhabe einzusetzen. weserholz zeigt Wirkung und „entscheidend ist weniger die Wahl des Haupteinkommensstroms und mehr der Aufbau einer nachhaltigen und beständigen Struktur.“ (>>SEND e.V.)

1 Von Podium zu Podium . . . worum es ging und wer mitmischte:

Nov. 2019
Auftaktveranstaltung der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa zum „GEP 2030“

• Kai Brüggemann, Industrie-Club Bremen
• Heinz Kierchhoff, team neusta GmbH
• Ralph Sandstedt, GVZ Entwicklungsgesellschaft und Sandstedt Feinkost Manufaktur
• Matthias Winter, Kreishandwerkerschaft Bremen und Tischlerei Winter
• Dr. Guido Spars, Bergische Universität Wuppertal
• Paula Eickmann, weserholz

>> Zur Dokumentation

Feb. 2020
Tach auch! Studierende der HfK im Gespräch mit Gesellschaft, Politik und Wirtschaft: Bremen als Standort für die professionelle Positionierung

•  Saskia Behrens, Kalle Co-Werkstatt
•  Robert Bücking, Bündnis 90 / Die Grünen
•  Marielle Müller, Strategie- und Innovationsberaterin
•  Kai Stührenberg, Pressestelle der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit, und Europa
•  Christian Tipke, Sendefähig GmbH
•  Anselm Stählin, weserholz

Feb. 2020
Abendveranstaltung „Die Produktive Stadt. Perspektiven für Arbeit und Wirtschaft“ der Arbeitnehmerkammer Bremen

• Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa
• Michael Rosenberger, Referat Stadt- und Regionalentwicklung, Stadtentwicklung und Stadtplanung, Stadt Wien
• Guido Nischwitz, Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) der Universität Bremen
• Hans-Christian Busch, Wirtschafts- und Sozialgeographisches Institut der Universität zu Köln
• Paula Eickmann, weserholz

 

Beitrag von >> Paula Eickmann

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