Einfache Sprache leicht gemacht

Einfache Sprache leicht gemacht

Zum weserholz Gipfel luden wir einen besonderen Gast ein, der uns in Einfache Sprache schulen sollte. Elvira Tinis von der RKW Servicestelle >>Deutsch am Arbeitsplatz. Das Kredo des Tages: Einfache Sprache ist schwierig und hochgradig kompliziert.

Bei weserholz bewegen wir uns täglich auf verschiedenen Sprachebenen, ob im Deutsch- und Matheunterricht, der Werkstatt oder in der Berufsorientierung. In der Allgemeinsprache, die ich auch Alltagssprache nennen würde, scheint es noch verhältnismäßig einfach, die entsprechende Checkliste zur Einfachen Sprache zu befolgen. Wenn wir mit den Trainees über unsere Freizeit sprechen, kann ich lange Sätze stückeln, klar und deutlich sprechen, Körpersprache, Ton und Mimik einsetzen; ich kann Redewendungen vermeiden – statt: „Ich schwebe auf Wolke 7“, sage ich: „Ich bin verliebt.“ Oder: „Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen!“, wird zu: „Das hast du genau richtig gemacht!“. Auf solche Regeln geben wir zumindest so lange Acht, bis >>Natascha, Leiterin unserer Sprach-Werkstatt, die gängigen Redewendungen im Unterricht eingeführt hat. Wir können in der Allgemeinsprache ebenso auf Fachwörter verzichten, auch wenn das häufig einen Mehraufwand bedeutet. Und manchmal klingen Fremdwörter auch schöner und sind rhetorisch eleganter. Sie fallen allerdings in der Einfachen Sprache besser den Wiederholungen zum Opfer. Oder anders gesagt: Wörter immer wieder zu benutzen, festigt deren Gebrauch und klärt das Gesagte. So entscheidet man sich in der Einfachen Sprache schweren Herzens gegen viele Synonyme. Soviel zur Ebene der Allgemeinsprache.

Nun wird’s komplizierter: In der Bildungssprache ist es mitunter nicht mehr so einfach, auf Fremdwörter zu verzichten, dem Passivsatz abzuschwören oder Internationalismen zu vermeiden. Dann hilft man sich, indem man den Genitiv vermeidet, der landläufig ohnehin vom Dativ abgelöst wird, Verben Tuwörter sein lässt und sie nicht nominalisiert oder so wenige Aussagen pro Satz wie möglich trifft. Soweit so gut.

Und noch die Königsdiziplin: Fachsprache vereinfachen. Dabei denke ich an die weserholz Datenschutzerklärung, die für mich schon eine Herausforderung ist. Wir haben sie in unserer Schulung diskutiert. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre der deutschen Sprache nicht gänzlich mächtig, würde ich wahrscheinlich spätestens bei diesem Satz kapitulieren:

„Deine Daten werden für die Verwaltung im Rahmen deiner Teilnahme (z.B. interne Prozesse, Kommunikation mit Förderer – Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa; ESF Verwaltungsbehörde), für die Unterstützung bei der Kommunikation mit Behörden (z.B. Amt für soziale Dienste, Agentur für Arbeit) sowie für deinen Bewerbungsprozess für Praktika, Einstiegsqualifizierung oder Berufsausbildung gespeichert und verarbeitet.
Huch! Elvira hat das weserholz Team gebeten, diesen Satz in Einfache Sprache zu übersetzen. Dazu erstmal in‘s Ampelsystem geschaut, das Elvira uns mitgebracht hat. Dort sind Wörter, die Ähnliches bedeuten von grün: sehr einfach  bis rot: sehr schwierig geordnet. Einfacher als „Unterstützung“ wäre zum Beispiel „Hilfe“. Aber wie erkläre ich Daten?

„Deine Daten sind dein Name, deine Adresse, dein Lebenslauf…“.

Sind das genug Beispiele? Oder schon zu viele? Vielleicht besser nur Informationen sagen?

„Deine Informationen, die du weserholz gegeben hast, werden auf unseren Computern gespeichert.“

Damit habe ich das erste Problem mehr entschieden als gelöst. Vielleicht weniger nachdenken, das macht ja alles schon per se kompliziert und schauen, wie Elvira es übersetzen würde:

„Wenn du bei weserholz mitmachst, dann brauchen wir einige Daten von dir.
Wir speichern und verarbeiten deine Daten für unsere Verwaltung. Dann funktioniert auch die Kommunikation mit den Behörden besser.
Wir benutzen deine Daten auch für deine Bewerbungen für ein Praktikum, eine Einstiegs-Qualifizierung oder eine Ausbildung.

Daraus ergeben sich wieder Fragen nach Verwaltung und Behörde. Puuh. Bei manchen Fachbegriffen, zum Beispiel Maschinen und Handgriffe in der Werkstatt nutzen wir Bilderkarten. Die kann man lernen. Und für alles andere gilt: Nachdenken, wie wir es sagen. Inhalte der Form voranstellen, täglich zum Nachfragen animieren und eine gesunde Fehlerkultur etablieren. Zum Verstehen gehören nämlich mindestens Zwei.

Ein Beitrag von >>Karin Felzmann

weserholz goes english

Wir machen nicht nur einfach sondern auch englisch!

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