Behördendeutsch – Einfache Sprache nicht vorgesehen

Behördendeutsch – Einfache Sprache nicht vorgesehen
WESERHOLZ SHOOTING 07.2020
  • Beitrags-Kategorie:Trainees

Vor einigen Wochen kam einer unserer Trainees mit einem Brief zum Thema Krankenkassen vom Amt für Soziale Dienste – Fachbereich Flüchtlinge, Integration & Familien – zu mir. Er hatte den Brief mit seinem Sprachniveau von B1 nicht verstanden. Laut dem gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen kann eine Person, welche das B1 Niveau hat, bei klarer Standardsprache die Hauptpunkte verstehen. Nun gut, es handelte sich um einen Brief von einer deutschen Behörde, da kann man klare Standardsprache nicht erwarten. So weit, so gut. >>Natascha – Leiterin unserer Sprachwerkstatt – welche Sprachwissenschaft studiert hat, war sich beim Durchlesen des Briefes unsicher bezüglich des Inhaltes. Und mir ging es genauso. Gut, ich habe die deutsche Sprache nicht studiert, aber es ist meine Muttersprache. Ich sollte den Brief also verstehen und dem Trainee erklären können. Dies war leider nicht der Fall. Wie also das Problem lösen? Ich rief bei der zuständigen Sachbearbeiterin an. Sie gab mir freundlich Auskunft über den Inhalt des Briefes. Meine kritische Rückmeldung zu einfacher Sprache nahm sie dankend entgegen. Allerdings sei der Brief ein Vordruck, somit könne sie das Problem nicht lösen.

Ich habe mich nach dem Telefonat über unser behördliches Verständnis von Integration aufgeregt – und tue es noch.

Dass beispielsweise der Fachdienst Soziales nicht darum bemüht ist seine Briefe in einfacher Sprache zu verschicken, ok. (Wobei ich der Meinung bin, dass wir uns alle, mich eingeschlossen, bemühen sollten barrierefreier zu kommunizieren.) Aber der Fachdienst Flüchtlinge, Integration & Familien ist für Personen zuständig, die zum Großteil keine Deutsch Muttersprachler*innen sind. Da sollten die Briefe mit B1-Niveau verstanden werden.  Schließlich ist Sprache der Schlüssel zur Integration. Und wenn das Wort „Integration“ schon im Titel des Fachdienstes steckt, dann sollte dies auch umgesetzt werden.

P.S.: Und mal abgesehen davon. Es wäre eine langfristige Arbeitserleichterung für Geflüchtete, Mitarbeiter*innen in Behörden, Beratungsstellen… In meinem spezifischen Fall waren drei Personen in ihrer Arbeitszeit involviert. Das könnte durch einen verständlicheren und >>einfach formulierten Vordruck vermieden werden. 

Beitrag von >>Monica

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